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Ist der Salzstock bei Wredenhagen als Atommüllendlager geeignet?


Wie ist unser Salzlager entstanden und wie verändert/e es sich mit der Zeit? 1)

Vor über 200 Mio. Jahren war die Oberfläche unseres Planeten noch stark in Bewegung. Es senkten sich weite Teile des Gebietes, das heute Norddeutschland genannt wird. Salzhaltiges Meerwasser überschwemmte das Land, verdunstete in den folgenden Jahrmillionen und hinterließ mächtige Salzschichten.
In den folgenden Millionen Jahren sammelten sich darüber verschiedene Böden aus Ton (wasserundurchlässig), Sand, Kalk (überwiegend Muschelkalk, porös) usw. Die obere Erdkruste hob sich wieder, das restliche Meerwasser floss ab, das Salz und die Ablagerungen darüber fielen trocken. Das ist das Land, auf dem wir zurzeit leben.

Salz gehört zu den Gesteinsarten, die durch Druck verformt und/ oder durch Wasser aufgelöst werden.

Salzlager unter Druck 1),2),3) Mit zunehmender Masse der Ablagerungen drückten die „Deckböden“ so stark auf die Salzschicht, dass diese sich verformte. Wo ausreichend starke „fette Tonschichten“ über dem Salz vorhanden waren, bewegte es sich in andere Richtungen. Da es nicht genügend schwere Tonschichten über dem Wredenhagener Salzlager gab, wich das Salz hier nach oben aus und bildete den pilzförmigen Kopf.

Deckgestein mit Rissen und Verwerfungen

Symbolbild | pilzartiger Salzstock bei Wredenhagen

Er liegt unter einer 150 bis 220 m Deckschicht und hat eine maximale Ausdehnung von 3 – 4 km

Im Salzstock Wredenhagen kommt außerdem eine heftige Störung aus dem Mesozoikum (vorletztes Erdzeitalter) zum Tragen. Hieraus resultieren Verwerfungen in tieferen Bodenschichten, die aus der relativ glatten Pilzform höchstwahrscheinlich eine zerklüftete Oberfläche gebildet haben. Inwieweit die Deckschicht ebenfalls durch Risse und Vermischungen von z.T. wasserdurchlässigen Bodenarten verändert wurden, lässt sich nur vermuten.

Womit wir beim Wasser wären, in dem sich Salz bekanntlich löst und transportiert wird, und das eventuell den Salzstock erreichen könnte.

Salzlager und Wasser | In der Natur findet ein ähnlicher Prozess wie beim nassen Abbau von Salz (Aussolung) statt, allerdings in wesentlich größeren Zeiträumen, normalerweise.

Süßwasser sickert durch wasserdurchlässige Bodenschichten und/oder gelangt über Risse im Deckgestein an den Salzstock. Dort wird das Salz gelöst, fließt ab und bildet Hohlräume und Risse, durch die das nachströmende Wasser tiefer in das Salzlager vordringt. An dieser Stelle kommt nun die hohe Wärmeabstrahlung des Atommülls ins Spiel. Dadurch könnten nämlich zusätzlich neue Risse im Salzstock und/oder im Deckgestein entstehen, die dann ein erhebliches Risiko bezüglich eines Wassereinbruchs darstellen.

In allen bisherigen Zwischenlagern für Atommüll, die in Salz angelegt wurden, tauchten bereits nach relativ kurzer Zeit (20 bis 40 Jahre) so große Probleme mit eindringendem Wasser auf (Asse II, Morsleben und Gorleben), dass z.T. mit einem Milliarden Euro-Aufwand (zurzeit geschätzte 5 Milliarden allein für die Asse II) 4) eine Rückholung des dort gelagerten unterschiedlich strahlenden Mülls vorgenommen werden muss.

Die Existenz unserer Menschenart (höchstens 300.000 Jahre) und erst recht eines einzelnen Menschenlebens ist verschwindend kurz im Vergleich zur Bildung der Erdkruste und deren Bodenverschiebungen, die seit ca. 4,5 Milliarden Jahren im Gange sind und auch in Zukunft weiter stattfinden werden.

„Alles bewegt sich fort und nichts bleibt.“ (Platon, 428/427–348/347 v. Chr. (also vor ca. 2.400 Jahren). 5)

Das wird interessant, wenn wir bedenken, dass wir den Atommüll eine Million Jahre sicher lagern müssen, weil seine Strahlung sich leider nicht mit unserer Gesundheit als biologische Wesen auf diesem Planeten verträgt.
An den natürlichen Gegebenheiten können wir nicht viel ändern, bleibt die Hoffnung auf zukünftige neue Technologien, die den Atommüll unschädlich machen können. Man könnte aber auch wie bisher z.B. die Europäischen Länder, Russland, Japan usw. ihren Atommüll in den großen Meeren versenken. 6)

QUELLENANGABEN

1) Geologisches Landesamt Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Geologische Karte von Mecklenburg-Vorpommern 1:500 000 „Strukturen im Untergrund nach oberflächen-geologischen Ergebnissen“, 1.Aufl., Schwerin 1997; angewandte Nomenklatur von Trusheim (1957) zur Strukturdefinition
„Wredenhagen (Strukturnummer 60)
Wegen des oberflächennahen Hutgesteins, das eine Mächtigkeit von 150 – 220 m hat, erscheint der Diapir Wredenhagen, der bis 100 m u. NN aufgedrungen ist, im Schwerefeld als kräftiges, fast kreisrundes Maximum mit 3 – 4 km Durchmesser. Gravimetrische Berechnungen führten zur Annahme eines pilzförmigen Salzkörpers, der einem mächtigen Salzfuß aufsitzt. Das Durchbruchstadium erreichte die Struktur im Campan.“, Capan = Kreidezeit (Ergänz. d. Verf.)

2) „Steinsalz (auch Halitit oder Salzgestein, gelegentlich irreführend Salzstein, veraltet Sal gemmae) ist ein Evaporit- und Sedimentgestein, welches in der geologischen Vergangenheit auf natürlichem Weg durch Ausfällung aus konzentriertem Meerwasser entstanden und fossil überliefert ist.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Steinsalz, Stand 18.08.2019

3) Als „Tonminerale bezeichnet man einerseits Minerale, die überwiegend feinstkörnig (Korngröße < 2 µm) vorkommen, andererseits jedoch die Schichtsilikate, die nach ihrer schichtartigen Kristallstruktur aus Silizium und Sauerstoff, sowie Wasserstoff und meist Magnesium und Aluminium benannt sind. Beide Definitionen sind nicht deckungsgleich. Manche überwiegend feinstkörnig vorkommende Minerale, etwa Goethit oder Gibbsit, sind keine Silikate. Andererseits gibt es Schichtsilikate, wie etwa Kaolinit, die oft größer als zwei Mikrometer sind. Tonminerale bezeichnen daher in der Regel solche Minerale, die beide Kriterien erfüllen. Tonminerale sind sehr weich (Mohs-Härte 1) und reagieren plastisch auf mechanische Beanspruchung. Sie wandeln sich beim Erhitzen in härtere und festere Minerale um (Keramik). Tonminerale besitzen eine große spezifische Oberfläche, an die Stoffe adsorbiert und desorbiert werden können. Mit der großen Oberfläche ist eine hohe Kationenaustauschkapazität verbunden. Tonminerale haben eine geringe Wasserdurchlässigkeit. Suspensionen von Tonmineralen reagieren thixotrop auf mechanische Beanspruchung.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Ton_(Bodenart), Stand: 18.08.2019

4) Asse II viele Berichte über dieses Atommülllager in diversen Medien , u.a.: https://www.greenpeace.de/themen/energiewende-atomkraft/atommull/asse-ii-der-endlager-gau

5) panta rhei (altgriechisch πάντα ῥεῖ ‚alles fließt‘).
Platon verbindet in seiner Charakterisierung der kosmologischen Theorie Heraklits einige von dessen bekanntesten Lehrsätzen – vor allem: („Pánta chorei kaì oudèn ménei Πάντα χωρεῖ καὶ οὐδὲν μένει“, „Alles bewegt sich fort und nichts bleibt.“) https://de.wikipedia.org/wiki/Panta_rhei, Stand 18.08.2019

6) Atommüll europäischer Staaten im Ärmelkanal u.a. Gewässern: https://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article115539849/Faesser-mit-Atommuell-verrotten-im-Aermelkanal.html
https://www.abendblatt.de/ratgeber/wissen/article115518120/Mehr-als-200-000-Atommuellfaesser-liegen-vor-Europas-Kuesten.html
Sowjetische Atom-U-Boot-Reaktoren in den Weltmeeren versenkt:
https://www.mdr.de/nachrichten/osteuropa/land-leute/u-boote-udssr-wracks100.html

TEXT: Regina Ewert
GRAFIK: Stephan Gorsler

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