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Ausgewertet


Am 24.August bekamen wir ePost + Anhang* von Herrn Zühlke. Sehr interessant was wir da lesen mussten und haben uns dort rein vertieft. Anbei unser Résumé:

In einer geologischen Untersuchung von 1995 wurde der Salzstock bei Wredenhagen als ungeeignet aussortiert.

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) berät die Bundesregierung und unsere Parlamentarier in geologischen Fragen.
Sie veröffentlichte im August 1995 ihre Untersuchungsergebnisse zum Thema „Endlagerung stark wärmeentwickelnder radioaktiver Abfälle in tiefen geologischen Formationen Deutschlands“.

Ich habe diese Veröffentlichung im Hinblick auf das Salzvorkommen bei Wredenhagen durchgesehen.
In dieser Untersuchung wurden bereits vorhandene, leider zum Teil unvollständige, Daten und Informationen zu 41 norddeutschen Salzvorkommen ausgewertet. Anhand von acht Auswahlkriterien wurde geprüft, welche Standorte für weitere Erkundungen zum atomaren Endlager infrage kommen.
Die BGR kam zu der unbefriedigenden Schlussfolgerung, dass
… keine der untersuchten Strukturen (…) alle Anforderungen optimal erfüllt.“ (S. 42)

Nichtgeologische Kriterien (Besiedlung, Nutzungskonkurrenz durch z.B. Gaslagerung, Autobahn oder Schienenanbindung usw.) wurden nicht berücksichtigt.

Schließlich hat die BGR aus geologischer Sicht drei Negativkriterien als „bedeutungsvoll“ formuliert:

  • Nicht ausreichende Tiefenlage des Daches, zu große Tiefenlage des Daches oder nicht ausreichendes Volumen im Teufenbereich von 300 bis 1000 m u. NN (unter Normal Null).
  • Fehlen einer ausreichend vollständigen Überdeckung mit Rupelton oder älteren tonigen Sedimenten.
  • Anderweitig existierende oder geplante Nutzung des Wirtskörpers oder seines Umfeldes. (vgl. S. 42)

Am Ende blieben vier Salzvorkommen übrig: Waddekath, Wahn, Zwischenahn u. mit Vorbehalt Gülze-Sumte. (vgl. S. 42)

Nach diesen drei Kriterien ist der Salzstock bei Wredenhagen nicht für weitere Erkundungen geeignet.

Es wurde allerdings nur ein Negativkriterium genannt: Die zu geringe Tiefenlage von 73 m u. NN, statt der mindestens geforderten 300 m. (vgl. Tabelle 14 im Anhang)

Jetzt könnten wir uns entspannt zurücklehnen und die Sache als erledigt betrachten, wären da nicht die bisherigen, hauptsächlich politisch (Geld?, fehlender Sachverstand? fehlender Weitblick?) oder persönlich (Gorleben: denen da drüben in der DDR zeigen wir’s) motivierten, Fehlentscheidungen von namhaften Politikern wie dem damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten, Ernst Albrecht, und der damaligen Umweltministerin, Angela Merkel. Sie entschieden sich für ungeeignete Salzstöcke, obwohl Ihnen die Warnungen ebenfalls namhafter Geologen bekannt waren. Inzwischen häufen sich immense Probleme mit Wassereinbrüchen, Deckeneinstürzen und herabfallenden Gesteinsbrocken.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) bezeichnet/e Asse, Gorleben und Morsleben sowie die ehemalige Eisenerzgrube „Schacht Konrad“ immer wieder als sichere Atommülllager.

Wie kommt es dann zu den Wassereinbrüchen?

Wie kommt es zum Einstürzen von Decken und zu herabfallenden Gesteinsbrocken in den „sicheren“ atomaren Lagern?

Uns liegen Unterlagen vor, aus denen eindeutig hervorgeht, dass der Salzstock in Wredenhagen noch aus anderen Gründen nicht geeignet ist.
Es fällt uns schwer, zu glauben, dass den Geologen des BGR diese Informationen nicht vorlagen, wie auch immer.
Auf der geologischen Karte zu den Zechsteinsalzstrukturen in MecPom von 1997 ist eine sehr große mesozoische Störung von Südwest nach Nordost westlich am Wredenhagener Salzvorkommen verzeichnet.
Diese Störung könnte am und im Salzstock Klüfte, Hohlräume und Salz-Ton-Gemische durch Faltungen usw. hervorgerufen haben.

Ein Blick auf Asse, Gorleben, Morsleben, Staßfurt usw. zeigt, wie die Folgen einer solchen Störung aussehen könnten, und zwar nicht erst in 1000 Jahren, sondern innerhalb von 20 bis 40 Jahren!
Wegen der geringen Höhe des Deckgesteins könnten diese Risse und Verwerfungen ein Eindringen von Wasser ermöglichen.
Im Endlager Asse werden täglich 12.000 Liter eindringendes Wasser abgepumpt, und auch in Gorleben dringt inzwischen Wasser ein.

In der BGR-Untersuchung von 1995 (S.30) weisen die Geologen darauf hin, dass sich Salz-Tongemische instabil gegenüber thermischer Belastung durch radioaktiven Abfall verhalten.

In Asse und Morsleben fallen wegen der Instabilität eines ähnlichen Salz-Steingemisches wie im Salzstock Wredenhagen seit Jahren riesige Gesteinsbrocken und ganze Decken in die zur Lagerung von Atommüll vorgesehenen Hohlräume.
Dass noch kein radioaktiver Unfall mit einer Verseuchung der Umgebung stattgefunden hat, liegt einzig an dem glücklichen Umstand, dass in den jeweiligen Abschnitten keine Fässer mit Atommüll lagerten.

Zwei Beispiele von den vielen Unfallberichten zu instabilen Salzstöcken:

Atommüllager Asse: http://www.solarportal24.de/nachrichten_30238_deckeneinsturz_im_niedersaechsischen_atommuellager_asse.html vom 09.10.2009)

altes Salzbergwerk mit versinkender Innenstadt Staßfurt:
https://www.german-architects.com/de/architecture-news/reviews/das-andere-stadtzentrum

Was machen wir, wenn unsere gewählten Volksvertreter sich ähnlich unverantwortlich für Wredenhagen als Standort entscheiden?

  • Zum einen können wir aus geowissenschaftlicher Sicht weitere Gründe nennen, weshalb der Saltstock bei Wredenhagen ungeeignet ist.
  • Zum anderen könnten wir auf etliche Unfälle in ähnlichen Salzstöcken hinweisen.
  • Falls die wissenschaftlichen Empfehlungen und bisherigen Erfahrungen bei der letztendlichen Entscheidung ignoriert werden, hilft nur öffentlicher Protest der Bevölkerung, möglichst viel und möglichst medienwirksam.

* Anhang/Quelle | https://www.bgr.bund.de: 1994 wurde von der BGR ein Katalog zusammengestellt, in dem die Salzstrukturen in Deutschland beschrieben und im Hinblick auf ihre Nutzung als Endlagerstandorte bewertet werden. (Download PDF, 6,3 MB

TEXT: Regina Ewert